20. Jahrhundert

Theodor W. Adorno (1903–1969)

Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und sagt: "Es sind ja nur Tiere."

Carl Anders Skriver (1903–1983)

Die Ethik der Ernährung zielt ab auf die Reinheit der Hände von Bluttat, die Reinheit unter der Haut und die Reinheit des Herzens. Aber von Reinheit des Herzens kann keine Rede sein bei einem unreinen Allesesser, der sich keine Gedanken und keine Gewissensbisse macht über die grauenhaften Verbrechen an der Tierwelt, die täglich in der christlichen Welt geschehen, nur für die Zwecke der menschlichen Ernährung.

Isaac Bashevis Singer (1904–1991)

Alles, was mit Vegetarismus zu tun hat, ist von allergrößter Wichtigkeit, denn es wird auf der Welt keinen Frieden geben, solange wir Fleisch essen.

Es wird oft gesagt, daß die Menschen schon immer Fleisch gegessen hätten, als ob dies eine Rechtfertigung dafür wäre, dies weiterhin zu tun. Gemäß dieser Logik dürften wir nicht versuchen, Menschen daran zu hindern, andere Menschen umzubringen, da dies auch schon seit jeher getan wurde.

Wir sind alle Gottes Geschöpfe. Daß wir um Gnade und Gerechtigkeit beten, während wir weiterfahren, das Fleisch der Tiere zu essen, die um unsretwillen geschlachtet wurden, ist unvereinbar. [...] Des Menschen eigenes Verlangen nach Gerechtigkeit bleibt jedoch auf der Strecke, wenn er Tiere tötet, um sie zu essen. Denn der Mensch bittet Gott um Barmherzigkeit, ist aber selbst nicht bereit, sie zu gewähren. Mit welchem Recht erhofft er also Gottes Gnade? Es ist ungerecht und entbehrt jeglicher Konsequenz, etwas zu erwarten, das man selbst nicht gewillt ist zu geben.

Der Vegetarismus ist meine Weltanschauung. [...] Ich bin und bleibe Vegetarier, auch wenn die ganze Welt plötzlich Fleisch essen würde. Dies ist mein Protest gegen den Zustand der Welt. Vegetarier zu sein bedeutet, nicht mitzumachen, sich gegen den aktuellen Lauf der Dinge zu stellen. Atomkraft, Hunger, Grausamkeit – wir müssen protestieren und Stellung beziehen. Der Vegetarismus ist meine Konsequenz. Und ich halte sie für bedeutsam.

Elias Canetti (1905–1994)

Es schmerzt mich, daß es nie zu einer Erhebung der Tiere gegen uns kommen wird, der geduldigen Tiere, der Kühe, der Schafe, allen Viehs, das in unsere Hand gegeben ist und ihr nicht entgehen kann. Ich stelle mir vor, wie eine Rebellion in einem Schlachthaus ausbricht und von da sich über eine ganze Stadt ergießt. [...] Ich wäre schon erleichtert über einen einzigen Stier, der diese ‹Helden›, die Stierkämpfer, jämmerlich in die Flucht schlägt und eine ganze blutgierige Arena dazu. Aber ein Ausbruch der minderen, sanften Opfer, der Schafe, der Kühe wäre mir lieber. Ich mag es nicht wahrhaben, daß das nie geschehen kann; daß wir vor ihnen, gerade ihnen allen, nie zittern werden.

Luise Rinser (1911–2002)

Heute sehen wir nichts mehr vom qualvollen Leben und Sterben des Schlachtviehs. Das geht automatisch vor sich. Eben noch ein Tier, im nächsten Augenblick schon zerteiltes Fleisch: unsre Nahrung. Unsre Art von Kannibalismus.

Hindus und Buddhisten essen kein Fleisch. Warum nicht? Weil sie wissen, daß auch im Tier "Atman" ist: der göttliche Hauch. Das Tier: eine Manifestation Gottes. [...] Es wird lange dauern, bis die Menschheit begriffen hat, daß nicht nur die Völker der Erde ein Volk sind, sondern daß Menschen, Pflanzen und Tiere zusammen das "Reich Gottes" sind und daß das Schicksal des einen Bereichs auch das Schicksal des andern ist.

O.W. Fischer (1915–2004)

Warum ich nicht meine Brüder esse? Einfach aus Familiensinn, das ist alles. Irgendwo muß Scham ja beginnen.

Janez Drnovšek (1950–2008)

Bei meiner Entscheidung für den Vegetarismus hat neben dem ethischen Beweggrund auch die Tatsache eine Rolle gespielt, daß der Mensch tatsächlich kein Tierfleisch benötigt. Fleischessen ist lediglich eine uns anerzogene Gewohnheit. [...]

Es erscheint mir wirklich unsinnig, daß das Hauptanliegen der Europäischen Union die hundertprozentige Subventionierung landwirtschaftlicher und vor allem tierischer Erzeugnisse ist. Die Tatsache, daß die Europäische Union die Massenhaltung von Rindern oder Geflügel subventioniert, ist vom ethischen Standpunkt aus die am meisten bedenkliche. Aber nicht nur vom ethischen, auch vom Standpunkt der Ernährung aus. Daran erinnert uns die Natur bereits selbst: durch BSE, in letzter Zeit mit der Schweinepest oder dem Vogelgrippe-Virus. Es ist einfach offensichtlich, daß etwas nicht in Ordnung ist, daß sich etwas entgegen den Zyklen der Natur abspielt, und dies ist eine Warnung an den Menschen. 

Allerdings bin ich der Ansicht, daß die Bewußtwerdung der Menschen bereits fortschreitet, bei uns und auch anderswo in der Europäischen Union. Die Menschen suchen verstärkt nach gesunden Produkten, und ich denke, daß sie auch immer mehr zur Natur zurückkehren und ebenfalls sensibler werden, was Tiere und tierische Nahrungsmittel anbelangt.